2004-08-05 Spitzbergen Umrundung [Tag 9]

M/V Professor Multanovskiy ( Eisverstärktes ehemaliges Forschungsschiff/ max. 52 Passagiere)

5. August 2004 Sundneset/Barentsøya; Habenichtbukta/Edgøya

Postion um 7.00: 77°58’N/20°40’E, Lufttemperatur 5° C, sonnig

Alle Aufnahmen habe ich 2004 mit einer kleinen analogen Kompakt Kamera mit einem bekannten Namen aufgenommen und danach aus den Alben abfotografiert.

Schon vorm Frühstück nähern sich heute die ersten Walrosse vom Kapp Lee her dem Schiff. Etliche große Gruppen tauchen prustend auf und wollen einen Blick auf uns werfen.

neugierig

Bald danach soll’s losgehen nach Sundneset. Peter hat am Berghang allerdings mal wieder einen „gelben“ Fleck entdeckt (der sich gerade erhob und davon ging, als das Schiff um eine Ecke -und außer Sicht- bog…). Es ist also Vorsicht geboten, denn der Bär könnte, von Neugier getrieben, auf unsere Landestelle zulaufen und uns empfindlich stören. Wir sind wachsam, am Ende zeigt er sich dann aber doch nicht. Auf dem Strandwall besuchen wir ein Trapperhäuschen, die sogenannte „Würzburger Hütte“. Sie ist enorm praktisch eingerichtet und man hat den Eindruck, hier im Notfall durchaus einen Winter überleben zu können. Selbstschussanlagen erinnern an die Zeit der Trapper und es finden sich noch allerhand Knochen, die von den Jägern zurückgelassen worden sind. Troels stösst schließlich auf einen sehr seltenen Fund. Es handelt sich um einen Gehörstein, einen Otholiten aus dem inneren Ohr eines große Wals, wir vermuten Grönlandwal. Er liegt mitten auf der Tundra, als Beweis dafür, wie sich die Strände Svalbards nach dem Rückgang der letzten großen Vergletscherung um viele Meter gehoben haben. Als der Druck des Eises verschwand, hob sich das Land allmählich, so dass wir heute Tierknochen zu sehen bekommen, die einmal direkt an der Wasserkante gelegen haben müssen.

Auf dem Weg in die Tundra kommen wir an einem Teich vorbei, in dem Eisenten zu sehen sind. Wir halten auch nach Füchsen Ausschau, haben aber leider kein Glück. Dafür treffen wir aber später auf Rentiere, die völlig unbeeindruckt von uns in Ruhe weiter grasen. Die Sonne brennt mit Macht auf uns herab und wir sind froh, dass wir am Strand eine kleine Pause einlegen können, wo wir die Stille der Arktis genießen können. Es fällt sehr schwer, uns von dieser grandiosen Landschaft zu trennen. Weite Täler münden in dramatischen, dunklen Schluchten, Findlinge haben bizarre Formen und sogar „menschliche Züge“, und dann sind da immer wieder die herrlichsten Pflanzen, wahre kleine Überlebenskünstler mit den unterschiedlichsten Methoden der Fortpflanzun, die man sich denken kann. Während der Knöllchen-Knöterich bereits fertige kleine Pflanzen, von einer Kapsel geschützt, abwirft, die im Frühling sofort anwachsen, bildet der Fadensteinbrech Ableger, die durch lange rote Schnüre zunächst noch noch mit der Mutterpflanze verbunden sind. Im Englischen werden sie „Spinnenpflanze“ (spider plant) genannt und genau so sehen sie auch aus.

Die Wanderer in der zweiten Gruppe queren eine grosse ebene Tundrafläche, wo man aus geringer Distanz Rentiere beobachten konnte, und erreichen bald darauf einen Schmelzwasserbach am Hangfuß. Dieser Bach tritt in einer kleinen Schlucht in die Ebene aus. Wir lassen es uns natürlich nicht nehmen, den Seitenhang dieser Minischlucht zu erklimmen und sogar noch den weiter landeinwärts gelegenen Wasserfall zu besuchen.

Den nächsten Landgang unternehmen wir erst nach dem Abendessen. Die Sonne steht tief als wir am Strand der Habenichtbukta auf Edgeøya aussteigen. Dem Landestrand vorgelagert finden sich Untiefen , Findlinge und Sandbänke, die unseren Fahrern das Leben erschweren. Mehrere Propeller segnen dabei das Zeitliche und müssen später ersetzt werden. Aber schließlich sind wir da, und die Wanderung zu den archäologischen Überresten einer Pomorensiedlung kann beginnen. Im frühen 18. Jahrhundert hatten sich hier Trapper aus der Gegend des Weißen Meeres niedergelassen, um Bären, Füchse und vor allem auch Walrosse zu jagen. In den wichtigsten Jahren der Besiedlung hatten dann auch schon mal bis zu 120 russische Jäger hier überwintert. Die steinernen Fundamente ihrer Behausungen lasse heute auf die Zahl der Einwohner schließen. Die Jagd muss eine ganze zeitlang recht einträglich gewesen sein, aber dann führten Streitigkeiten und Naturkatastrophen dazu, diese Jagdgegend im 19. Jahrhundert aufzugeben.

Unser Rückweg zum Schiff wird heute zum Abenteuer. Als wir es endlich schaffen, die Bucht heil zu verlassen, den Findlingen im Wasser immer wieder geschickt ausweichend,

treffen uns draußen stürmische Böen. Das windgepeitschte Meer mach ein Fortkommen schwierig, unsere Zodiacfahrer haben schwer mit der Dünung zu kämpfen und auch wir werden patschnass. Immer wieder schlagen Wellen ins Boot und das Wasser läuft uns am Hals hinunter bis zum Bauchnabel.

Irgendwie gelangen mir mit meiner kleinen analogen Kamera aus dem Zodiac heraus zwei Aufnahmen der stürmischen und nassen Rückfahrt zum Schiff

Auch das Aussteigen an der Gangway ist heute nicht so einfach wie in den letzten Tagen und so sind wir froh, dass wir schon ausreichend trainiert haben. Matrose Sergey packt uns zudem zuversichtlich am Arm und zieht uns schnell auf die Plattform um damit in Sicherheit.

Und bald sind wir wieder trocken und setzen unsere Reise fort.

Und bei schönstem Wetter ging es dann am nächsten Tag weiter.

to be continued.

10 Kommentare zu „2004-08-05 Spitzbergen Umrundung [Tag 9]

  1. hi Brigitte
    ja das war ein abenteur , und du hat es schon in bild und wort , mit uns geteilt

    ich bin auch gespannt , und soll ihnen sehen lassen was drin ist 🙂
    liebe gruss , Karel

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Brigitte,
    das ist wirklich eine sehr abenteuerliche Reise in eine unwirtliche Gegend. Tolle beeindruckende Fotos hast Du von damals mitgebracht .Kann ich mir gut vorstellen ,dass Du gerne nochmal hinmöchtest,schon wegen der Ornothologie.Mit Deiner heutigen Kamera wären vermutlich auch noch ganz andere Fotos möglich.Den Eisbären begegnen stelle ich mir sehr aufregend und gefährlich vor .
    Vielleicht schaffst Du es nach Corona noch einmal solch eine Reise zu unternehmen. Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen.
    Ein wunderschöner Wochenende wünsche ich Dir mit Buddylein, dem Süssen.
    Lg.Ursel

    Gefällt 1 Person

  3. Ich finde das mit der Karte auch so klasse, weil man da mal eine Übersicht über die ganze Route und wo ihr jeweils gerade wart, bekommt!
    Ooooh, ihr habt Walrosse gesehen, ich mag sie so gerne, die gucken echt richtig neugierig! Wie herrlich, solche schönen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung!
    Das war auch immer ein Abenteuer, diese tolle Fahrt, so wie du jetzt berichtest, der Bär könnte vielleicht in eure Nähe kommen. Das Trapperhäuschen fand ich jetzt auch so interessant, und hab so gestaunt über den seltenen Fund! Die Begegnung mit den Rentieren hätte mir auch sehr gefallen, auch diese mag ich so gern. Und die Stille dort würde ich gern einmal „hören“! Beeindruckend, was sich die Natur so alles einfallen läßt, um auch in solch unwirtlichen Zonen zu überleben, sagenhaft!
    Tolle Bilder wieder zu deinem großartigen Bericht, die Rückfahrt war ja ausgesprochen usselig mit Wasser bis zum Bauchnabel, da schüttelt es einem beim lesen! Aber Hauptsache, gut wieder beim Schiff angekommen.
    Ich freu mich schon sehr auf die nächste Fortsetzung, das ist so interessant und spannend!
    Habt noch einen schönen Abend, ihr lieben Bees, und eine gute Nacht, liebe Grüße
    Monika.

    Gefällt 1 Person

  4. Auch heute wieder sowas von klasse. Bin wieder voll mit dabei gewesen und begeistert. Danke dir vielmals dass du uns wieder so lebhaft und beblidert mitgenommen hast. Bekomme immer mehr Lust auf sowas ;-))

    Wünsche dir ein schönes zweites Adventswochenende und sende liebe Grüsse rüber

    N☼va

    Gefällt 1 Person

  5. Abenteuer pur ist hier zu lesen und auch wieder ganz toll bebildert, liebe Brigitte!
    Dankeschön fürs teilen, hab ein schönes Wochenende und liebe Grüße von mir zu dir 🍀

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.